Wermut - Artemisia absinthium

Artemisia absinthium (syn. Absinthium majus, A. officinale, A. vulgare);
Wermut (syn. Absinth, Alsem, Bitterer Beifuss, Wurmkraut)

Artemisia absinthium - Wermut

Wermut - Artemisia absinthium

Wermut - Artemisia absinthium

Wermut - Artemisia absinthium

Wermut

Wermut - Artemisia absinthium

VORKOMMEN

Wermut kommt natürlich im gemässigten Eurasien sowie in Nordafrika vor. Man findet die Pflanze auf Ödland und an sonnigen Wegrändern. Er wächst bevorzugt auf trockenen oder auf sandig-tonigen Böden. In Nordamerika wurde der Wermut eingeführt und kommt in sich selbst erhaltenden Populationen vor.

MERKMALE

Der Wermut ist eine verzweigte, ausdauernde Pflanze, die unten verholzt, deren Zweige aber krautig sind. Er erreicht Wuchshöhen von 40 bis 60, gelegentlich bis 150 Zentimetern und ein alter von etwa 10 Jahren. Die sonnenliebende Pflanze erscheint oberirdisch gräulich-grün und duftet stark aromatisch. Der Stängel ist graufilzig, die Blätter sind 2–3fach fiederschnittig, beidseits graufilzig, die unteren sind lang gestielt, die oberen Blätter sind sitzend. Die Blüten sitzen in kurz gestielten, hängenden Köpfchen. Diese sind in bis zu 30 Zentimeter langen, rispenartigen Gruppen zusammengefasst.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Absinthii herba - Wermutkraut (syn. Eltzkraut, Magenkraut), die zur Blütezeit gesam­mel­ten und getrockneten Laubblätter und blütentragenden Zweigspitzen.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Ätherisches Öl:
Im Wermutkraut ist ätherisches Öl in Ausbeuten von bis zu 1,5 % enthalten. Das ätherische Öl ist sehr komplex zusammengesetzt, es sind über 90 verschiedene Mono- und Sesquiterpene nachgewiesen worden. Die Zusammensetzung schwankt je nach Herkunft des Öls erheblich. Folgende Inhaltsstoffe dominieren, wobei jeder für sich über 40 % des ätherischen Öles ausmachen kann: β-Thujon, cis-Epoxycimen, trans-Sabinylacetat und Chrysanthenylacetat. Neben diesen Bestandteilen wurden u. a. die Monoterpene Linalool, Cineol und Thujylacetat sowie die Sesquiterpene α-Bisabolol, β-Curcumen und Spathulenol.
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Bitterstoffe:
Aus dem Wermutkraut wurden eine Reihe von Sesquiterpenlactonen isoliert, die für den bitteren Geschmack entscheidend sind. Unter den Sesquiterpenlactonen befinden sich Absinthin (0,20 bis 0,28 %), Anabsinthin, Artabsin (das monomer von Absinthin), Isoabsinthin, und Matricin (ca. 0,007 %). An weiteren Lactonen finden sich Absintholid, Artanolid und Desacetylglobicin.
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Flavonoide:
Gefunden wurden sowohl Glykoside des Quercetins und Kämpferols, als auch in Form lipophiler Aglykone (Artemisitin).
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Weitere Bestandteile:
Kaffeesäure und andere Phenolcarbonsäuren, sowie Cumarine und Lignane. Es werden kleinere Mengen an Polyacetylenen vermutet.

Wermut - Absinthin, Thujon
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PHARMAKOLOGIE

Mehr zum Thema Pharmakologie / Toxikologie siehe unter WIKIPEDIA "Thujone".

ANWENDUNG

Anerkannte medizinische Anwendung:

  • ESCOP und Kommission E: bei Appetitlosigkeit und Verdauungsbeschwerden mit leichten Krämpfen im Magen-Darm-Bereich (dyspeptische Beschwerden).
  • Wermutkraut wurde vom HMPC als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft.

Nachgewiesen ist die Wirksamkeit des Wermutkrautes zur Appetitanregung, bei Gastritis oder Blähungen, zur Anregung der Leberfunktion und bei krampfartigen Störungen des Darm- und Gallenwegbereichs. Die enthaltenen Bitterstoffe sind entscheidend für die verdauungsfördernde Wirkung verantwortlich.
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Als Gallentherapeutika und Mittel für den Verdauungstrakt und Stoffwechsel wird der Wermut gerne verwendet, meistens in Kombination mit z.B. Anis, Tausendgüldenkraut, Fenchel, Gelber Enzian, Wacholder, Kamille, Melisse, Fieberklee, Rosmarin und Baldrian.
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Wermut ist auch in Zeller Balsam in Kombination u.a. mit Weihrauch, Myrrhe, Schafgarbe und Blutwurz enthalten.
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Ausserlich kann Wermut bei Hautleiden angewendet werden.

WARNUNG

Vergiftungserscheinungen können bei starker Überdosierung auftreten und sind auf die toxische Wirkung des Thujons zurück zu führen. Typische Vergiftungserscheinungen sind Benommenheit, Erbrechen, Bauchschmerzen und in schweren Fällen Nierenschäden und Störungen des Zentralnervensystems. Im Gegensatz zu alkoholischen Auszügen enthalten wässrige Auszüge relativ geringe Mengen an Thujon. Das reine ätherische Öl wird aufgrund des Thujongehalts von bis zu 40 % nicht medizinisch verwendet.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

In verschiedenen kommerziell erhältlichen Phytopharmaka als wässrige oder wässrig-alkoholische Auszüge. Mit der Droge kann auch ein Tee zubereitet werden.
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Teebereitung:
Etwa 1.5 g fein geschnittenes Wermutkraut ( = 1 Teelöffel) mit einer Tasse siedendem Wasser übergiessen und bedeckt stehen lassen. Nach etwa 15 Minuten abseihen. Für die Appetitanregung jeweils eine halbe Stunde vor den Mahlzeiten, bei Verdauungsbeschwerden nach den Mahlzeiten eine Tasse trinken.

STATUS

  • Kommission E: - positive Bewertung
  • ESCOP: - positive Bewertung
  • HMPC: - als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft.
  • Klinische Studien: positiv

HOMÖOPATHIE

Artemisia absinthium HAB1; die frischen, oberen Sprossteile, Blätter und Blüten.
Anwendungsgebiet: Erregungszustände und Krampfleiden sowie Entzündung der Magenschleimhaut.

WERMUT IM GARTEN

Wermut bevorzugt einen trockenen eher steinigen und kalkhaltigen Standort - er ist eine sogenannte Ruderalpflanze. Er ist anspruchslos und auch Menschen mit weniger grünem Daumen dürften durchaus in der Lage sein, den Wermut mit Erfolg aufzuziehen und zu pflegen. Wermut kann aus Samen oder Stecklingen herangezogen werden, besser ist der Kauf von Jungpflanzen in der Kräutergärtnerei. Wermut mag einen vollsonnigen Standort. Er kann auch gut als Kübelpflanze gehalten werden, braucht dann aber Schutz gegen starken Frost. Ansonsten ist der Wermut eigentlich recht anspruchslos, was die Pflege angeht, im Herbst können Sie ihn durch eine Kompostgabe biologisch düngen. Er wird ihnen viele Jahre Freude bereiten.

Wermut

SONSTIGES

Der Wermut ist wegen seiner Heilkräfte seit Jahrtausenden ein geschätzte Heilpflanze. Bis in die Gegenwart hat er sowohl als Arznei- als auch als Genussmittel seine Bedeutung behalten. Dies geht auch aus dem bergischen Spruch "Wermot ist för alles got" hervor. Im Mittelalter wurde der Einsatz als Heilpflanze unter anderem von Hildegard von Bingen ausführlich beschrieben. Wermut galt ausserdem als wirksames Abwehrmittel gegen Hexerei und dämonische Einflüsse.

Letzte Änderung: 13.12.2016 / © W. Arnold