Gemeiner Beinwell - Symphytum officinale

Echter Beinwell, Schwarzwurz, Wallwurz, Comfrey, Beinwurz, Bienenkraut, Schadheilwurzel, Schmalwurz, Wundallheil.

Beinwell

Gemeiner Beinwell - Symphytum officinale

Beinwell

VORKOMMEN

Der Echten Beinwell kommt im grössten Teil Europas, Westasien und Kleinasien vor. In Europa ist die Pflanze häufig an feuchten Stellen, insbesondere an Bachufern und Wiesengräben zu finden.
Der Wallwurz ist eine beliebte und schöne Gartenpflanze; Handelsware stammt aus gewerbsmässigem Anbau. An eher schattigen Standorten in meinem Garten hat der Beinwell seinen Stammplatz. Hummeln schätzen den Beinwell sehr.

MERKMALE

Beinwell ist eine 30-100 cm hohe Staude mit rübenförmiger Wurzel und borstiger Behaarung. Die Blätter sind breitlanzettlich, herablaufend und wechselständig. Der Wurzelstock besteht aus gedrungen, braunen Hauptwurzeln, die eine Länge von bis zu 60 Zentimeter erreichen. Die Blüten erscheinen mit glockigen Röhren, in reichblütigen Doppelwickeln in den Farben gelblichweiss oder rötlichviolett. Die vegetative Vermehrung erfolgt durch Verzweigung des Rhizoms. Die Pflanze Blüht von Mai bis Juli.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Symphyti radix (syn. Radix Consolidae, Radix Symphyti);
Beinwellwurzel (syn. Schwarzwurzel), die frische oder getrocknete Wurzel.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Wichtigster Inhaltsstoff ist das Allantoin (0,6 bis 0,8 % im März, der Gehalt sinkt dann ständig). Im weiteren bis zu 6,5 % Gerbstoffe, Chlorogensäure, Kaffeesäure und Cholin und Pyrrolizidinalkaloide. Gefunden wurden die Triterpenoide Isobanerenol und β-Sitosterin. Sehr kleine Mengen des Alkaloids Symphytocynoglossin, Consolidin (Glykoalkaloid) und Consolicin wurden nachgewiesen.
Im weiteren wurden identifiziert: Kieselsäure, Harz, 1 - 3 % Asparagin und wenig ätherisches Öl.

Allantoin

PHARMAKOLOGIE

Bei äusserlicher Anwendung werden die schädlichen Alkaloide kaum resorbiert, so kann eine Anwendung von vier bis sechs Wochen im Jahr erfolgen. Die innerliche Anwendung hat man wegen des Gehalts an Leber schädigenden und möglicherweise auch krebserregenden Pyrrolizidinalkaloiden heute aufgegeben. Inzwischen sind auch Fertigpräparate im Handel, die alkaloidfrei sind und unbegrenzt angewendet werden können.

Rosmarinsäure

ANWENDUNG

Anerkannte medizinische Anwendung:

  • Die Kommission E nennt für die äusserlich Anwendung "Prellungen, Zerrungen und Verstauchungen". Die Wirkung wird mit "entzündungshemmend" und "Förderung der Kallus-Bildung" bezeichnet.
  • Die ESCOP nennt folgende Anwendung:
    äusserlich bei Schwellungen und Schmerzen von Gelenken und Muskeln; Ausserdem bei Arthrose der Gelenke, akuten Rückenschmerzen, Muskelzerrungen, Prellungen und Verstauchungen, schmerzhaftem Reizzustand der Sehnenansätze, Sehnescheidenentzündung und Schultergelenkentzündung.
  • Beinwellwurzel wurde vom HMPC als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft.

Allgemein werden Zubereitungen aus dem Wurzelstock als Wundheilmittel, besonders bei schlecht heilenden Wunden, Knochenbrüchen, Sehnenscheidenentzündungen oder Drüsenschwellungen eingesetzt. Die Anwendung erfolgt meist äusserlich in Form von Umschlägen bzw. von Breipackungen. Diese Zubereitungen wirken entzündungshemmend, schmerzlindernd und fördern die Kallusbildung. Die Inhaltsstoffe Allantoin, Rosmarinsäure, Schleimstoffe und wohl auch ein Glykopeptid scheinen für die Wirkung bedeutungsvoll zu sein.

Beinwell wird in vor allem zu Salben und Gels verarbeitet, vielfach in Kombination mit Johanniskraut, Ringelblume, Arnika, Echinacea und Pfefferminze.
Kytta Salbe enthält (ausschliesslich) einen ethanolischen Fluidextrakt aus frischen Beinwellwurzeln.
Bei äusserlicher Anwendung werden die schädlichen Alkaloide kaum resorbiert. Dennoch soll die Anwendung nicht länger als 4 bis 6 Wochen dauern.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Beinwell nur in Form von Fertigarzneimitteln anwenden.

STATUS

  • Kommission E: - positive Bewertung
  • ESCOP: - positive Bewertung
  • HMPC: - als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft.
  • Klinische Studien: positiv

HOMÖOPATHIE

Symphytum HAB 34, die frische, vor Beginn der Blüte gesammelte Wurzel.
Anwendungsgebiet: stumpfe Verletzungen, Venenentzündung, Knochenbrüche.

BEINWELL IM GARTEN

Egal ob schwerer Lehmboden, leichter Sandboden, feuchter oder trockener, sonniger oder schattiger Standort, saure oder kalkhaltige Erde, Beinwell gedeiht in jedem Gartenboden.
Trotzdem bevorzugt Beinwell sumpfige, feuchte, humose Böden. Er steht nahezu ideal auf feuchten Wiesen neben Sumpfdotterblumen und Farnen. Gepflanzt wird Beinwell in Abständen von etwa fünfzig Zentimetern im Frühjahr oder Herbst, dazu reicht ein Stück Wurzel, dass wenige Zentimeter in den Boden gesteckt wird. Beinwell benötigt nahezu keine Pflege, da er als Wildpflanze ganz von allein wächst. Auch eine Düngung ist nicht erforderlich, wenn er einen feuchten, halbschattigen Platz erhalten hat. Beinwell ist mehrjährig und braucht keinen Winterschutz.

Beinwell

SONSTIGES

Beinwell wird seit jahrhunderten als Heilpflanze verwendet. Der Name Beinwell leitet sich wohl von der Anwendung bei Knochenbrüchen ab. Auch bei anderen Verletzungen, wie von Bändern oder Sehnen wurde dem Beinwell grosse Heilwirkung zugeschrieben. Der Gattungsname Symphytum und auch der in älteren Werken gebräuchliche Name Consolida bedeuten übersetzt „Zusammenwachsen“.

Letzte Änderung: 07.04.2016 / © W. Arnold