Gänsefingerkraut - Potentilla anserina

Potentilla anserina (syn. Argentina anserina, Fragaria anserina);
Spacer
Gänsefingerkraut (syn. Gänserich, Ganskraut, Silberkraut).

Gänsefingerkraut

Gänsefingerkraut - Potentilla anserina

Gänsefingerkraut

VORKOMMEN

Das Gänsefingerkraut ist auf der Nordhalbkugel weit verbreitet. In Mitteleuropa ist die Pflanze bis in Höhenlagen von 2000 Metern recht häufig anzutreffen. Die hübsche, silbrig behaarte Pflanze findet man auf nährstoffreichen Böden (Gänseweiden), an Wegrändern und um Bauernhöfe.

MERKMALE

Das Gänsefingerkraut bringt zwar gelbe Blüten hervor, wie dies bei den meisten Fingerkräutern üblich ist, aber seine Blätter sind nicht fingerförmig zusammengesetzt, sondern gefiedert, d. h., sie bestehen aus Blättchenpaaren. Die silbrig behaarten Blätter sind aus sieben bis zwölf grösseren Blättchen zusammengesetzt, die mit sehr kleinen Blättchen abwechseln. Ihre blühenden Stengel kriechen am Boden und bewurzeln sich an den Knoten. An diesen Stellen entwickeln sich Blattbüschel und Blüten. Das Gänsefingerkraut wird nur etwa 10 bis 20 cm hoch und blüht von Mai bis August.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Anserinae herba (syn. Herba Anserinae, Potentillae anserinae herba);
Fingerkraut (syn. Gänsefingerkraut, Krampfkraut, Silberkraut).

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Gerbstoffe:
Normal sind 5 bis 10 % Gerbstoffe, vor allem Ellagitannine, darunter auch monomere und dimere Verbindungen.
Spacer
Flavonoide:
Flavonolglykoside (Quercitrin), gefunden wurden nach Abspaltung der Zucker die Aglykone Kämpferol, Myricetin und Quercetin.
Spacer
Anthocyanidine:
Vor allem Cyanidin und Leucodelphinidin.
Spacer
Cumarine:
Gefunden wurden Scopoletin und Umbelliferon.
Spacer
Im weiteren wurden gefunden:
Phenolcarbonsäuren (p-Cumarsäure, Ferulasäure Kaffeesäure sowie Vitamine (Ascorbinsäure) und die Aminosäuren Glycin, Histidin und Cholin.

PHARMAKOLOGIE

Innerlich und äusserlich wirkt die Droge, aufgrund des Gerbstoffgehaltes, als Adstringens. Weiterhin wird der Droge eine spasmolytische Wirkung zugesprochen. Verschiedene Versuche zum Nachweis dieser Wirkung erbrachten widersprüchliche Resultate.

ANWENDUNG

Anerkannte medizinische Anwendungen (Kommission E):

  • Anwendungsgebiete: Leichte dysmenorrhoische Beschwerden (= Beschwerden im Zusammenhang mit der Regelblutung); zur Unterstützung der Therapie leichter, unspezifischer, akuter Durchfallerkrankungen. Leichte Entzündungen im Bereich der Mund- und Rachenschleimhaut.
  • Dosierung: Tagesdosis: 4 bis 6 g Droge, Zubereitungen entsprechend.
  • Art der Anwendung: Zerkleinerte Droge für Aufgüsse und Abkochungen, gepulverte Droge sowie andere galenische Zubereitungen zur inneren Anwendung.
  • Wirkungen: Adstringierend, entsprechend Gerbstoffgehalt; ausgeprägte Tonussteigerung und Kontraktionsfrequenzsteigerung beim isolierten Uterus verschiedener Tierspezies.
    Spacer
Im Beruhigungs- und Schlafmittel "Elixier Femisan" ist das Gänsefingerkraut neben
Weissdorn
, Bitterorange, Feigenkaktus, Koriander, Fenchel, Hopfen, Melisse, Passionsblume, Baldrian und Lavendel enthalten.
Spacer
Volkstümlich wird das Gänsefingerkraut äusserlich bei schlecht heilenden Wunden angewendet.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Teebereitung: 2 - 3 g fein geschnitten Droge mit einer Tasse heissem Wasser übergiessen und nach ca. 10 Minuten abseihen. Als Tagesdosis werden 4 - 6 g Droge angegeben.

Der Teeaufguss kann auch zum Gurgeln bezw. zur Mundspülung verwendet werden.

STATUS

HOMÖOPATHIE

Potentilla anserina - Gänsefingerkraut
Spacer
Anwendungsgebiet: Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes.

GÄNSEFINGERKRAUT IM GARTEN

Im Garten mag das Gänsefingerkraut dichten, feuchten und nährstoffreichen Boden. Seine Blüten öffnen sich nur bei Sonne völlig. Das Gänsefingerkraut ist immer unterwegs mit seinen langen kriechenden Ausläufern. An den Knoten der Blattrosetten wachsen Wurzeln und so geht das Gänsefingerkraut quer durch den Garten auf reisen - wenn man es denn lässt. Bei genug Licht bzw. Sonne ist das Gänsefingerkraut eine problemlose Gartenpflanze, die in keinem Naturgarten fehlen soll.

Gänsefingerkraut

SONSTIGES

Das Gänsefingerkraut ist in den Kräuterschriften der Antike nicht zu finden. Das liegt wohl daran, dass es keine typische Mittelmeerpflanze ist, sondern seine Heimat in Mittel- und Nordeuropa hat. Das Artepitheton anserina wird aus dem Lateinischen direkt übersetzt (lat. ‚anserinus’ = Gänse), damit wird auf den Umstand angespielt, dass das Gänsefingerkraut auf Gänseweiden wächst und von Gänsen auch gerne gefressen wird.

Letzte Änderung: 20.01.2017 / © W. Arnold