Deutsche Schwertlilie - Iris germanica

Iris germanica (syn. Iris deflexa, Iris violacea, Iris vulgaris);

Deutsche Schwertlilie (syn. Blaue Lilie).

Schwertlilie

Iris

Iris germanica - Deutsche Schwertlilie

VORKOMMEN

Bei der Deutsche Schwertlillie handelt sich um eine Burgenpflanze, eine alte "Kultur"hybride aus der südosteuropäischen Iris lutescens und einer Sippe der südosteuropäisch-kleinasiatischen Artengruppe um Iris mesopotamica. Die Deutsche Schwertlillie ist eine alte Bauerngartenpflanze, die auch öfter verwildert und in Deutschland bereits seit dem Mittelalter eingebürgert ist. Die schöne alte Heilpflanze ist an Weinbergsmauern und in grasigen Böschungen, auf warmem, meist kalkhaltigen Boden zu finden. Natürlich ist sie auch eine schöne Gartenpflanze.

MERKMALE

Die Deutsche Schwertlillie wird 30–80 cm hoch. Die Blätter sind schwertförmig, 1–3 cm breit und bis 70 cm lang, und bläulich-grün. Der Blütenstand ist 3-5blütig. Die Blüten haben die Farbe blaulila oder weiss. Die äussere Perigonblätter auf der Oberseite sind bärtig, am Grunde mit dunklen Adern, 55–90 mm lang und 40–60 mm breit, innere etwa gleich gross. Die Staubbeutel sind so lang wie der Staubfaden. Die Deutsche Schwertlillie ist eine Schwertlillienybridart, die sich durch vegetative Vermehrung konstant erhält.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Iridis rhizoma (syn. Radix Iridis, Rhizoma Iridis); Veilchenwurzel (syn. Iris-Rhizom, Iris-Wurzel, Kinderwurzel, Zahnwurzel), der geschälte Wurzelstock.
Der veilchenartige Geruch entwickelt sich bei der Lagerung der Droge.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Die Droge enthält etwa 0.2% ätherisches Öl ("mit Acetophenon, Acetovanillon, Acetoveratron, Irone als Duftträger), Triterpene (Iridogermal, α-Irigermanal, δ-Iridogermal), Irisxanthon, Magniferin, Piceol, Myristinsäure, Protocatechusäure, Sinapinsäure, Isoflavonoide (Irilon, Irisolon, Irigenin, Irisolidon, Tectorigenin, Iridin, Stärke, Schleim, Harz und Wachs.

Irone: Inhaltsstoffe der Deutschen Schwetlillie

PHARMAKOLOGIE

Einige Iridale der Deutsche Schwertlillie erwiesen sich als zytotoxisch für humane Tumorzellen.

ANWENDUNG

Anerkannte medizinische Anwendungen:

Bewertung der Kommission E:

Zubereitungen aus Schwertlilienwurzelstock werden als "blutreinigendes", magenstärkendes, "drüsenanregendes" Mittel zur Förderung der Nierentätigkeit und bei Hauterkrankungen angewendet. In Kombinationen werden Zubereitungen aus Schwertlilienwurzelstock innerlich bei Kopf-, Zahn-, Muskel- und Gelenkschmerzen, Migräne, Neuralgien, akuten und chronischen Katarrhen der Luftwege, Bronchitis, Bronchialasthma, Husten, Verschleimung, Schnupfen, Heiserkeit, für eine bessere Durchblutung der Bronchien und Schleimhäute, Raucherkatarrh, zur Intervalltherapie der Asthmatiker, zur Pflege besonders von Herz, Nerven und Magen, als beruhigendes Mittel, bei nervösen Störungen der Herz- und Kreislauffunktion, Einschlaf- und Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Magen-und Darmstörungen, Darmträgheit, Völlegefühl, Blähungen, Gallen-, Leber und Pankreasbeschwerden, Diabetes, zur Reizmilderung bei entzündlichen Erkrankungen der Harnorgane, Hautkrankheiten sowie äusserlich bei Geschwülsten, Lymphdrüsenschwellungen, Harnsäureablagerungen, Kyphosen, Keloidbildung, bei rheumatischen Beschwerden sowie bei Brand-und Schnittwunden verwendet.
Die Wirksamkeit bei den beanspruchten Anwendungsgebieten ist nicht belegt.

Beurteilung der Kommission E:
Da die Wirksamkeit bei den beanspruchten Anwendungsgebieten nicht belegt ist, kann eine therapeutische Anwendung nicht befürwortet werden. Gegen die Verwendung als Geruchs- oder Geschmackskorrigens bestehen keine Bedenken.

Volksmedizinische Anwendungen:
Iriswurzelstock (Veilchenwurzel) wird immer noch als Kaumittel für zahnende Kinder verwendet. Davon muss gewarnt werden, da die feuchten Rhizome einen idealen Nährboden bieten (Infektionsgefahr!).

Der Iriswurzelstock wird in der Volksmedizin als Auswurfförderndes Mittel bei Erkältungskrankheiten angewendet und ist in zahlreichen Erkältungsmitteln enthalten, oft in Kombination mit z.B. Süssholz, Isländisches Moos, Spitzwegerich, Efeu, Andorn oder Alant.

Das „Veilchenwurzelöl“ (auch „Irisbutter" genannt) wird durch Wasserdampfdestillation des geschälten, getrockneten und gemahlenen Wurzelstocks gewonnen. Es riecht veilchenähnlich und hat einen hohen Gehalt an Myristinsäure und anderen Fettsäuren. Hauptriechstoffe sind Irone. Irone selbst sind allerdings nicht im Wurzelstock enthalten, sondern entstehen erst beim Gewinnungsprozess aus Iridalen.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Vor allem in Mischungen mit anderen Heilpflanzen als Fertigpräparat im Handel (z.B. "Hederix" Sirup oder "Hals Wohl" Lutschtabletten).

STATUS

HOMÖOPATHIE

Iris germanica HAB34, die frischen unterirdischen Teile der Pflanze.
Anwendungsgebiete: Migräne, Magenbeschwerden.

SCHWERTLILIEN IM GARTEN

Schwertlilien mögen einen Standort an der Sonne, gerne mit gelegentlichem Schatten. Die robusten Pflanzen gedeihen auch noch in Böden, welche für andere Pflanzen zu karg sind. Grundsätzlich sind sie aber mit jedem normalen Gartenboden zufrieden. Nasse Böden sind ungeeignet.
Bei der Pflanzung muss unbedingt darauf geachtet werden, dass die Wurzelknollen nicht zu tief in die Erde kommen. Der obere Rhizomteil muss noch sichtbar sein. Dünger brauch die Schwertlilie nicht. Ansonsten die Schwertlilien einfach in Ruhe lassen, je ungestörter sie wachsen dürfen, desto besser entwickeln sie sich auch. In Kombination sehen sie besonders attraktiv aus neben Mohn, Storchschnabel, Lavendel und Salbei.

Schwertlilie

SONSTIGES

Schwertlilien sind Pflanzen der griechischen Götterbotin Iris, die die Seelen der Verstorbenen entlang einem Regenbogen in das Reich des ewigen Friedens zu führen hatte. Noch heute schmückt man im Orient Gräber mit weissen oder blauen Schwertlilien.

Letzte Änderung: 17.03.2017 / © W. Arnold