Zaubernuss - Hamamelis virginiana

Hamamelis virginiana (syn. Hamamelis abdrogyna, H. dioica, H. estivalis, Trilopus dentata, T. virginica)
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Zaubernuss (syn. Hexenhasel, Virginischer Zauberstrauch, Virginische Zaubernuss, Zauberhasel).

Hamamelis virginiana (Virginische Zaubernuss)
Hamamelis virginiana - Zaubernuss

Hamamelis mollis (Chinesische Zaubernuss)
Zaubernuss

Hamamelis japonica (Japanische Zaubernuss)
Hamamelis japonica - Zaubernuss, Zauberhasel

VORKOMMEN

Die Virginische Zaubernuss wächst im östlichen Nordamerika von Mexiko bis Kanada. Sie bevorzugt mässig nährstoffreiche, feuchte, eher kalkfreie Böden ohne Staunässe in voller Sonne oder im Halbschatten.

MERKMALE

Die Virginische Zaubernuss (Hamamelis virginiana) ist ein sommergrüner Strauch oder kleiner Baum mit kurzem Stamm. Der laubabwerfende Strauch erreicht gewöhlich eine Wuchshöhe von 3 bis 6 Metern, selten bis 10 Meter. Die Rinde ist dünn, aussen braun und innen rötlich. Die Blätter sind wechselständig, dünn, etwas ledrig, verkehrt-eiförmig, 8 bis 15 cm lang und 7 bis 11 cm breit, insgesamt ähnlich denen des Haselstrauches,
Die stark riechenden, auffällig hellgelben, korallenartig geformten Blüten mit langen, schmalen Kronblättern erscheinen im Spätherbst und frühen Winter, nachdem das Laub abgefallen ist. Die sich erst im nächsten Sommer reifenden, 10 bis 14 Millimeter langen Kapselfrüchte springen bei Reife auf und schleudern die Samen bis zu 15 Meter weit weg.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

1. Hamamelidis aqua (syn. Aqua Hamamelidis, Aqua Hamamelidis corticis); Hamameliswasser, die nach Mazeration der frisch geschnittenen und teilweise getrockneten Zweige mit Wasser und anschliessender Destillation des Mazerats und Versetzen mit Ethanol erhaltene Flüssigkeit.
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2. Hamamelidis cortex (syn. Cortex Hamamelidis); Hamamelisrinde (syn. Virginische Zaubernussrinde, Wünschelrutenrinde, Zauberhaselrinde, Zauberstrauchrinde), die getrocknete, zerkleinerte Rinde der Stämme und Zweige.
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3. Hamamelidis folium (syn. Folia Hamamelidis); Hamamelisblätter (syn. Wünschelrutenblätter, Zauberhaselblätter, Zauberstrauchblätter), die getrockneten Blätter.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

1. Hamamelidis aqua: Etwa 0.02 % ätherisches Öl. Tannine sind in Hamameliswasser nicht enthalten, da diese nicht wasserdampfflüchtig sind.
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2. Hamamelidis cortex: Gerbstoffe (ca. 8–12 %), wie zum Beispiel Hamamelitannin und freie Gallussäure. Ausserdem ätherisches Öl, Ellagitannin und Flavonglykoside.
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3. Hamamelidis folium: Gerbstoffe (ca. 3–8 %), besonders Hamamelitannin sowie einfache und oligomere Proanthocyanidine, ätherisches Öl (Ionon, Safrol), Flavonoide und Kaffeesäurederivate.

Hamamelitannin: Inhaltsstoff der Zaubernuss

PHARMAKOLOGIE

In Studien belegt sind die adstringierenden, antiphlogistischen, antioxydativen und antiviralen Wirkungen der Hamamelisrinde. Für die Gallotannine wurden starke Radikalfängereffekte und antitumorale Wirkungen festgestellt.
In kontrollierten klinischen Studien konnte die Wirksamkeit unter anderem bei Hämorrhoidalleiden, bei atopischen sowie endogenen Ekzemen, bei Neurodermitis und bei trockener Altershaut belegt werden.

ANWENDUNG

Anerkannte medizinische Anwendungen:

1. Hamamelidis aqua:

  • HMPC: Bei oberflächlichen Hautverletzungen, lokalen Entzündungen der Haut und Schleimhäute (Cremes); bei Salben zusätzlich: zur Behandlung von Hämorrhoiden im Anfangsstadien (Grad I u. II).
  • ESCOP: Äusserlich zur Behandlung von Blutergüssen, Hautreizungen, Sonnenbrand, Insektenstichen und Hämorrhoiden; ausserdem bei leichten Haut- und Schleimhautentzündungen.

2. Hamamelidis cortex:

  • HMPC: Zur Besserung der Beschwerden wie Juckreiz, Brennen, leichte Blutungen bei Hämorrhoiden Grad I u. II. Entzündungen der Schleimhaut im Bereich des Darmausgangs.
  • ESCOP: Innerlich zur Kurzzeitbehandlung von Durchfallerkrankungen; äusserlich bei Entzündungen der Mundschleimhaut; bei Hämorrhoiden sowie bei Beschwerden im Zusammenhang mit Krampfadern wie schmerzende und schwere Beine.
  • Kommission E: Äusserlich bei leichten Hautverletzungen, lokalen Entzündungen der Haut und Schleimhäute; bei Hämorrhoiden und Krampfaderbeschwerden.

3. Hamamelidis folium:

  • HMPC: Bei Juckreiz, Nässen und Brennen bei Hämorrhoiden Grad I u. II sowie bei Schleimhautentzündungen im Analbereich.
  • ESCOP: Innerlich zur symptomatischen Behandlung von Beschwerden im Zusammenhang mit Krampfadern wie schmerzende und schwere Beine und bei Hämorrhoiden; äusserlich bei Blutergüssen, Verstauchungen und leichten Hautverletzungen, bei lokalen Entzündungen der Haut und Schleimhaut, sowie bei Hämorrhoiden; zur Linderung der Symptome bei Neurodermitis und gegen schwere Beine.
  • Kommission E: Äusserlich bei leichten Hautverletzungen, lokalen Entzündungen der Haut und Schleimhäute; bei Hämorrhoiden und Krampfaderbeschwerden.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Fertigarzeimittel in Form von Salben, Gelen, Zäpfchen und Tinkturen. Dosierung siehe Packungsbeilage. Hamameliswasser nur als Fertigarzneimittel anwenden.

In Aesculus/Quercus comp., Suppositorien (WALA Schweiz) ist neben Hamamelis auch Rosskastanie, Borretsch, Mariendistel und Eichenrinde enthalten.

STATUS

  • Kommission E: - positive Bewertung (Rinde, Blätter)
  • ESCOP: - positive Bewertung (Rinde, Blätter, Hamameliswasser)
  • HMPC: - als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft (Rinde, Blätter, Hamameliswasser)
  • Klinische Studien: positiv

HOMÖOPATHIE

Hamamelis virginiana HAB1; Virginischer Zaubernuss, die frische Rinde der Wurzeln und Zweige.

Anwendungsgebiet: Erkrankungen des venösen Gefässsystems, der Haut und bei Gerinnungsstörungen.

HAMAMELIS IM GARTEN

Die Zaubernuss braucht einen sonnigen, und möglichst windgeschützten Standort. Zaubernüsse mögen nährstoffreichen, mässig feuchten, lockeren und kalkfreien Boden. Bodenverdichtungen und Wurzelkonkurrenz durch andere Gehölze hat die Zaubernuss überhaupt nicht gerne. Die Zaubernuss eignet sich gut als Solitärpflanze. Die beste Pflanzzeit ist im Herbst oder Frühling, das Pflanzloch mit Kompost anreichern. Hamamelis ist ein anspruchsloser Strauch und erfreut uns durch sein Blühen mitten im Winter.

Das folgende Bild zeigt die Virginische Zaubernuss (Hamamelis virginiana), sie blüht schon im Spätherbst.

Hamamelis

SONSTIGES

Der Gattungsname Hamamelis setzt sich wahrscheinlich aus dem griechischen hama (gleichzeitig) und melon (Apfel) zusammen, da der Baum im gleichen Jahre vor dem Blühen Früchte trägt. Wohl aus dem gleichen Grunde wurde auch die Bezeichnung "Zaubernuss" geprägt. Das Artepitheton virginiana weist auf die Herkunft der Pflanze (US-Bundesstaat Virginia) hin. Die Zaubernuss wurde von den Indianern Nordamerikas sehr geschätzt und vielfältig verwendet, besonders als Wundheilmittel. Nach Europa gelangte der Strauch erst etwa im 18. Jh. als Ziergewächs.

Letzte Änderung: 12.01.2017 / © W. Arnold