Gundermann, Gundelrebe - Glechoma hederacea

Glechoma hederacea (syn. Calamintha hederacea, Chamaeclema hederacea, Nepeta glechoma, N. hederacea);
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Gundermann (syn. Erdefeu, Gundelrebe).

Gundelrebe - Glechoma hederacea

Gundermann

VORKOMMEN

Die Gundelrebe findet man in Wiesen und Wäldern, meist auf feuchten Böden. Der Gundermann findet man in fast in ganz Europa.

MERKMALE

Die Gundelrebe ist ein ausdauerndes Kraut mit kriechendem, auch im Winter belaubtem Hauptstengel. Der kriechende Hauptspross bildet alle 8 bis 15 Zentimeter Seitensprosse. Die Behaarung der Pflanzenteile ist variabel. Der Stengel ist vierkantig, bis zu 50 cm lang und bis zu 2 mm dick und ebenso wie die Blattstiele häufig blauviolett überlaufen. Die Laubblätter sind kreuzgegenständig und sind nierenförmig bis breit-herzförmig ausgebildet. Die zwei- bis fünfblütigen Blütenstände entspringen den Achseln von Laubblättern. Die Einzelblüten sind 1 bis 2 cm lang, deutlich gestielt mit kurzen, 1 bis 1,5 mm langen Vorblättern.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Glechomae hederaceae herba (syn. Herba Glechomae, Herba Hederae terrestris); Gundelrebenkraut (syn. Gundermannkraut), die während der Blüte gesammelten und getrockneten oberirdischen Teile.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Das getrocknete Kraut enthält bis zu 0,06 % dunkelbraunes ätherisches Öl mit Monoterpen-Ketonen als Hauptkomponente, besonders (-)-Pinocamphon, (-)-Menthon, (+)-Pulegon. Nebenkomponenten sind α-Pinen, β-Pinen, Limonen, p-Cymen, Isomenthon, Linalool, Menthol und α-Terpineol.
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Sesquiterpene: Glechomafuran, Glechomanolid.
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Triterpencarbonsäuren: α- und β-Ursolsäure, Uvaol, 2-Hydroxyursolsäure und Oleanolsäure.
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Phenolcarbonsäuren: Rosmarinsäure, Kaffeesäure und Ferulasäure.
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Hydroxyfettsäuren: 9-Hydroxy-10-trans,12-cis-octadecadiensäure.
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Flavonoide: Glykoside des Apigenins, Luteolins, Quercetins.
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Gerbstoffe sind mit 3 bis 7 Prozent vertreten.
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Sonstige Bestandteile: β-Sitosterol, zahlreiche freie Aminosäuren. Die Blätter enthalten auch Lektine, die spezifisch N-Acetylgalactosamin binden.

Glechomafuran

PHARMAKOLOGIE

Forschungen, die die pharmakologischen Eigenschaften des Gundermann klären, lassen sich nur vereinzelt finden: Bei Sesquiterpenen aus Gundermann konnten in Versuchen cytotoxische Eigenschaften auf verschiedene Krebsarten nachgewiesen werden. Des Weiteren liess sich eine antibakterielle, antioxidative und entzündungshemmende Wirkung feststellen.

ANWENDUNG

Die Gundelrebe wird ausschliesslich in der Volksheilkunde verwendet. Das wichtigste Indikationsgebiet sind Entzündungen der Schleimhaut von Magen- und Darm. Im Weiteren wird die Droge bei Erkrankungen der oberen Bronchien und zur symptomatischen Behandlung von Husten und als Diuretikum bei Blasen- und Nierensteinen eingesetzt. In Italien werden die Blätter bei Arthritis und Rheuma verwendet.
Die Wirksamkeit bei den genannten Anwendungsgebieten konnte bis jetzt nicht belegt werden.
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Eine Mischung aus Gundelrebe, Schafgarbe, Huflattich und Ehrenpreis soll ein ausgezeichneter Brusttee sein.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Gebräuchliche Einzeldosis der getrockneten Droge: Innerlich: 2 bis 4 g.
Äusserlich: Bei Rheuma und Arthritis werden die gerebelten Blätter auf die betroffenen Körperstellen aufgelegt.

STATUS

  • Kommission E: - positive Bewertung
  • ESCOP: - positive Bewertung
  • HMPC: - als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft.
  • Klinische Studien: positiv

HOMÖOPATHIE

Glechoma hederaceae HAB34, die frischen, zur Blütezeit geernteten, oberirdischenTeile.
Anwendungsgebiet: Hämorrhoiden, Durchfall.

GUNDELREBE IM GARTEN

Die Gundelrebe wächst fast in jedem Garten, sie gedeiht auch in Wiesen, aber am besten im feucht-kühlen Bereich der Hecken und bei Zäunen. Wie sie Brennnessel und der Schwarze Holunder sucht die Gundelrebe die Nähe des Menschen. Die Pflanze ist ein Stickstoffanzeiger. Lassen sie dem Gundermann genügend Licht. Im Vordergrund von Traubensilberkerze oder Eisenhut gepflanzt, kommt die hübsche Pflanze gut zur Geltung.

Gundelrebe

SONSTIGES

Der heute übliche deutsche Trivialname Gundermann oder Gundelrebe leitet sich möglicherweise vom althochdeutschen "Gund" = Eiter oder Beule ab, was auf die früher gebräuchliche Verwendung als Heilpflanze hinweisen würde. Im Althochdeutschen wurden nahe am Boden wachsende Pflanzen aber auch als "gundareba" bezeichnet. Die Gattungsbezeichnung Glechoma geht auf das griechische Wort glechon für Polei-Minze (Mentha pulegium) zurück und wurde von Linné auf den Gundermann übertragen.

Letzte Änderung: 03.04.2017 / © W. Arnold