Ginkgo - Ginkgo biloba

Ginkgo biloba (syn. Salisburia adiantifolia, S. macrophylla)
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Ginkgobaum (syn. Elefantenohrbaum, Fächerblattbaum, Mädchenhaarbaum, Tempelbaum)

Ginkgo

Ginkgo

Ginkgo, Ginkgo biloba

VORKOMMEN

Die Gattung Ginkgo war vor ca. 250-100 Mio. Jahren auf der ganzen Erde verbreitet. Die Art konnte im ostasiatischen Raum überleben. Wildbestände gibt es in Südost-China in den Provinzen Zheijiang und Anhui. In Japan, China und Korea wurde Ginkgo kultiviert als Tempelbaum. Anfang des 18. Jahrhunderts wurde der Baum in Europa eingeführt. In Asien, Europa, Nordamerika wird Ginkgo auch als Strassenbaum kultiviert, da er sehr widerstandsfähig ist gegen Luftverschmutzung, Insektizide und Pilze.

MERKMALE

Ginkgo biloba ist ein bis zu 40 m hoher, zweihäusiger Baum. Vom Habitus ist er zuerst schmal kegelförmig, später mit ausladende Krone. Der Stammumfang kann bis 4 m erreichen. Die Bäume werden mehrere hundert Jahre alt. Die Rinde ist hell- bis dunkelbraun, meist mit groben Furchen und netzförmigen Rissen. Die Blätter sind fächerförmig typisch (mehr oder minder tief zweilappig), grün, im Herbst vor Laubabwurf goldgelb. Sie sind kahl mit parallel verlaufenden gabelig verzweigten Nerven. Die Blätter sitzen wechselständig an Langtrieben oder in Büscheln (3 bis 5 Blätter) an Kurztrieben. Die Blüte erfolgt erst nach etwa 20 bis 30 Jahren. Der Ginkgo blüht im März, er ist zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch), es existieren also männliche und weibliche Pflanzen.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Ginkgo folium (syn. Folia Ginkgo, Ginkgo bilobae folium); Ginkgo-biloba-Blätter.

Semen Ginkgo; Ginkgo-biloba-Samen (syn. Ginkgonüsse, Ginkgosamen, manchmal auch fälschlicherweise als Ginkgofrüchte bezeichnet).

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Flavonoide:
Folgenden Gruppen von Flavonoiden kommen in der Blattdroge vor: Flavanonole (2,3-Dihydroflavonole), Flavon- und Flavonolglykoside, acylierte Flavonglykoside, Flavone, Biflavone, Havan-3-ole (Catechine) und Proanthocyanidine. Interessant sind die Biflavone (bis zu 1.9 %) mit Amentoflavon, Bilobetin, 5-Methoxybilobetin, Ginkgetin, Isoginkgetin und Sciadopitysin.

Sesquiterpene:
Der einziger Vertreter ist das bitter schmeckende Bilobalid, das in stark schwankenden Mengen von 0,04 bis 0,2 % vorliegt.

Bilobalid - Inhaltsstoff aus Ginkgo biloba

Diterpene:
Vorhanden sind die Ginkgolide A, B, C und J in einer variablen Gesamtkonzentration von 0,06 bis 0,23 % vor. Sie weisen einen ungewöhnliche Molekülstruktur für einen Naturstoffe auf:

Ginkgolide - Inhaltsstoffe des Ginkgo

Triterpene:
β-Stigmasterol, Sitosterol, Ipuranol, Campesterol (Campesterin) und Weitere wurden nachgewiesen.

Alkylphenolverbindungen:
Gefunden werden Ginkgolsäuren (ca. 2% ), Cardanole (ca. 0,1%), Urushiole und Isourushiole. Die Anwesenheit von Cardolen ist umstritten.

Weitere Inhaltsstoffe:
Gefunden wurden Ginkgole, Cyclit und sehr wenig Ginkgotoxin (4'-O-Methylpyridoxin). Weiter ein Lignanderivat (nor-Lignan), ein als β-Lectin bezeichnetes, nicht näher charakterisiertes Lectin, Carotinoide, sowie Wachse (bis zu 1,0 %).

PHARMAKOLOGIE

Ginkgo-Arzneimittel können ähnlich wie Acetylcholinesterase-Hemmer bezw. Cholinesterasehemmer, die eine Zunahme der Konzentration von Acetylcholin bewirken, für einen gewissen Zeitraum kognitive Parameter verbessern. Die geistige Leistungsfähigkeit wird gesteigert und das Zurechtkommen im Alltag wird erleichtert. Auch die Belastung der Angehörigen wird damit reduziert.

ANWENDUNG

Anerkannte medizinische Anwendungen:

  • ESCOP - Standardisierte Extrakte: symptomatische Behandlung von leichtem bis mittelschwerem demenziellem Syndrom einschliesslich primärer degenerativer Demenz, vaskulärer Demenz und deren Mischformen; hirnorganisch bedingte Leistungsstörungen; neurosensorische Störungen wie Schwindel, Gleichgewichtsstörungen und Tinnitus; zur Verbesserung der kognitiven Leistung. Symptomatische Behandlung der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit.
  • HMPC: Pulverisierte Ginkgoblätter wurden vom HMPC als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft. Basierend auf langjähriger Erfahrung können pulverisierte Ginkgoblätter bei schweren Beinen, kalten Händen und Füssen im Zusammenhang mit leichten Durchblutungsstörungen eingesetzt werden, wenn ärztlicherseits eine ernsthafte Erkrankung ausgeschlossen wurde.
  • Kommission E: Sehr ähnlich der ESCOP.

Vorsicht ist geboten bei Nahrungsergänzungsmitteln mit Ginkgo, etwa aus Supermärkten oder aus Drogerien. Die Wirksamkeit ist unklar, da die Qualität solcher Produkte fragwürdig ist.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Es wird empfohlen nur Spezialextrakte, in Form von Kapseln, Filmtabletten oder Tropfen zu verwenden. Ginkgotee soll nicht verwendet werden.
Der Schwerpunkt liegt heute bei der Behandlung der Demenz. In Stärkungsdragées wird Ginkgo oft kombiniert mit Weissdorn, Knoblauch und Ginseng.

STATUS

  • Kommission E: - positive Bewertung für Trockenextrakt (35-67:1) - negative Bewertung für die Blätter!
  • ESCOP - positive Bewertung (Standardisierte Extrakte)
  • HMPC - als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft.
  • Klinische Studien: positiv

HOMÖOPATHIE

Gingko biloba; die frischen Blätter von Ginkgo biloba.
Anwendungsgebiete: bei Mandelentzündung, Kopfschmerz, Schreibkrämpfen.

GINKGO BILOBA IM GARTEN

Ginkgo bekommen sie in jeder Gärtnerei. Für die Freilandpflanzung im Herbst sollten nur robuste, mindestens 6-jährigen Pflanzen verwendet werden. Ginkgo gedeiht in voller Sonne am besten, begnügt sich aber aber auch mit Halbschatten. Ist der Ginkgo einige Meter hoch, ist er ein Wunder an Anpassungsfähigkeit in ihrem Garten - er brauch keine weitere Pflege mehr. Ginkgo ist robust, gesund, pflegeleicht und dank den neuen Sorten, die auch für Kübel und Tröge geeignet sind, fast überall zu verwenden.
Bedenken sie, dass in zwanzig Jahren das kleine Bäumchen in die Breite wachsen und Schatten werfen wird. Erst in 100 Jahren ist der Ginkgo ein majestätischer Baum mit dickem Stamm und ist dann "erwachsen".

Ginkgo

SONSTIGES

Der Grund für die bis heute grosse Bedeutung des Ginkgo für Kunst, Kultur und Heilkunde liegt vor allem in der Chinesischen Philosophie und der ansprechenden Morphologie des Baumes und seiner Blätter. Der Ginkgo wird seit langem als kraftspendend und lebensverlängernd verehrt.

Letzte Änderung: 04.02.2017 / © W. Arnold