Epilobium parvfilorum
- Kleinblütiges Weidenröschen

Epilobium angustifolium
-Schmalblättriges Weidenröschen

Epilobium angustifolium (syn. Chamaenerion angustifolium, Epilobium gesneri, E. persicofolium, E. salicifolium); Schmalblättriges Weidenröschen (syn. Antonskraut, Feuerkraut, Waldröschen, Weidenröschen).

Epilobium parviflorum - Kleinblütiges Weidenröschen

Kleinblütiges Weidenröschen

Epilobium angustifolium - Schmalblättriges Weidenröschen

Schmalblättriges Weidenröschen

Weidenröschen

VORKOMMEN

Das Kleinblütige Weidenröschen liebt feuchte Standorte in der Nähe von Flüssen oder in Sümpfen und kommt in ganz Europa vor.
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Das Schmalblättrige Weidenröschen ist auf der Nordhalbkugel zirkumpolar verbreitet. Als Standort bevorzugt dieser Rohbodenpionier Kahlschläge, Ufer, Böschungen, Fels- und Blockschutt, Trümmergrundstücke sowie Ruderalstellen im Allgemeinen. Die kalkmeidende Lichtpflanze gedeiht auf frischen, nährstoffreichen Lehmböden.

MERKMALE

Das Kleinblütige Weidenröschen ist eine ausdauernde, krautige Pflanze, die Wuchshöhen zwischen 18 und 100 Zentimetern erreicht. Der Blütenstand und die zwittrigen, radiärsymmetrischen Blüten stehen aufrecht. Die Blütenhülle ist vierzählig. Die Blüten sitzen an 0,5 bis 1,8 Zentimetern langen Blütenstielen.
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Das Schmalblättrige Weidenröschen wächst als sommergrüne, ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von meist 50 bis 120, selten bis zu 200 Zentimeter. Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind kurz gestielt. Die einfache Blattspreite ist schmal lanzettlich mit einer Länge von etwa 5 bis 20 Zentimeter und einer Breite von 1 bis 2,5 Zentimeter. Die Blütezeit erstreckt sich von Juni bis August. Die zahlreichen Blüten sind in einem langen, endständigen, traubigen Blütenstand angeordnet.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Kleinblütige Arten wie das Kleinblütige Weidenröschen werden vorzugsweise verwendet. Im Handel sind aber auch das Bergweidenröschen oder die grossblütige Art, das Schmalblättriges Weidenröschen.
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Herba Epilobii - Weidenröschenkraut (Feuerkraut, Koptischer Tee, Weidenröschentee), die knapp vor oder während der Blütezeit gesammelten und getrockneten oberirdischen Teile.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Flavonoide (ca. 1,5 %), vor allem Flavonolglykoside mit den Aglyka Kämpferol, und Quercetin. In Epilobium angustifolium ist Quercetin das vorherrschende Flavonoid.
Im Weiteren wurden Leukoanthocyane, Gerbstoffe (ca. 12 %), Gemische von Polygalloylglucosen und Ellagitanninen (Oenothein B und A), Lectine, Sterole, Triterpensäuren (Oleanolsäure und Ursolsäure) sowie deren Derivate gefunden.

Oenothein B

PHARMAKOLOGIE

Myricetin-3-O-glucuronid erwies sich in klinischen Tests 500-mal stärker antiphlogistisch wirksam als Indometacin. In Versuchen zeigt sich eine antimikrobielle Wirkung eines Extraktes aus Epilobium angustifolium. Bei hormonabhängigen Prostataadenomen konnten in einer Studie Auszüge aus verschiedenen Epilobium-Arten, darunter auch Epilobium angustifolium, die Apoptose der Krebszellen über eine Interaktion mit den Signalkaskaden in den Mitochondrien auslösen. Der polyphenolische Inhaltsstoff mit dem Namen Oenothein B aus Epilobium angustifolium zeigt immunmodulatorische Wirkungen.
Die Kombination der Prostaglandinsynthese-Hemmung durch Flavonoide mit der 5α-Reductase- und Aromatase-Hemmung durch die Oenotheine macht den Einsatz von Weidenröschen bei benigner Prostatahyperplasie plausibel.

ANWENDUNG

Beide Weidenröschenarten werden als Teedroge volkstümlich bei Prostataerkrankungen (vor allem benigne Prostatahyperplasie = BPH) und Magen- Darmerkrankungen eingesetzt. Erfahrungen zeigen, dass Weidenröschenkraut bei Miktionsstörungen erfolgreich angewendet werden können.

Neben Kürbissamen, Sägepalmenfrüchten und Brennnesselwurzel stellt die Anwendung von Weidenröschenkraut nach Ansicht diverser Autoren eine interessante Option bei der Behandlung der BPH dar.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Teebereitung: 2 - 3 Teelöffel fein geschnittene Droge werden mit einer Tasse kochendem Wasser übergossen und nach ca. 15 Minuten abgeseiht.

STATUS

  • Kommission E: - keine Bearbeitung
  • ESCOP: - keine Bearbeitung
  • HMPC: - Anerkennung als traditionell verwendete Heilpflanze

HOMÖOPATHIE

Epilobium palustre HAB34, der frische Wurzelstock.

Anwendungsgebiet: Durchfallerkrankungen.

WEIDENRÖSCHEN IM GARTEN

Das Schmalblättrige Weidenröschen bevorzugt einen frischen, nährstoffhaltigen, lehmi­gen Boden an einem sonnigen Standort. Auch mit Halbschatten gibt sich die Staude zufrieden. Eher saure bzw. kalkarme Böden werden bevorzugt, es kann also vor der Pflanzung etwas Kompost in die Muttererde eingearbeitet werden. Das Weidenröschen toleriert kurzfristige Trockenheit. Die mehrjährige Pflanze ist robust, ein Winterschutz ist nicht nötig. Die Vermehrung erfolgt im Frühjahr durch Aussaat, Teilung oder Stecklinge. Das Schmalblättrige Weidenröschen darf in keinem Naturgarten fehlen.
Junge Blätter und Triebspitzen kann man roh im Salat oder gedünstet als Gemüse zubereiten.

Weidenröschen

Sonstiges

Das Weidenröschen ist eine Pionierpflanze und siedelt sich als erste Art z.B. auf Waldbrandflächen und Schutthalden an. Es breitet sich sehr schnell aus. Nach dem Krieg war die Heilpflanze sehr häufig in den zerbombten Städten auf Schutthaufen anzutreffen, daher auch der Name Trümmerblume.

Letzte Änderung: 13.01.2017 / © W. Arnold