HEILPFLANZEN

Roter Fingerhut - Digitalis purpurea

Digitalis purpurea L. (syn. Digitalis speciosa, D. thapsi);
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Roter Fingerhut (syn. Fingerhut, Fingerkraut, Unserer-lieben-Frauen-Handschuh, Waldglöckchen, Waldschelle)
Digitalis purpurea - Roter Fingerhut
Digitalis purpurea - Roter Fingerhut
Digitalis purpurea - Roter Fingerhut
Digitalis purpurea - Roter Fingerhut
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VORKOMMEN

Der Rote Fingerhut ist in Westeuropa sowie dem westlichen Süd-, Mittel- und Nordeuropa und in Marokko beheimatet. In Nord- und Südamerika ist er gebietsweise eingeschleppt. In Deutschland hat er sein natürliches Verbreitungsgebiet bis zum Harz und dem Thüringer Wald, tritt aber verwildert heute im ganzen Land auf.
Man findet den Roten Fingerhut zerstreut aber gesellig auf Kahlschlägen, vor allem des Gebirges, an Waldwegen und in Waldverlichtungen. Er bevorzugt frischen, kalkarmen, sauren, lockeren, humusreichen Boden an sonnigen bis halbschattigen Standorten.
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Ich halte 3 weitere Digitalis-Arten als Zierpflanze im Garten: Digitalis lanata (Wolliger Fingerhut), Digitalis lutea (Gelber Fingerhut) und Digitalis grandifloria (Grossblütiger Fingerhut).
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MERKMALE

Der Rote Fingerhut wächst meist als zweijährige, krautige Pflanze. Im ersten Jahr bildet sie eine Grundblattrosette, aus der im Folgejahr eine bis zu 200 cm hoher, meist unverzweigter, beblätterter Stängel austreibt. Die Blattstellung ist spiralig, das sechste Blatt steht genau über dem ersten, was bei zwei Umläufen einem Divergenzwinkel von 144 Grad entspricht. Die eiförmigen Blattspreite ist beidseitig behaart, aber unterseits grau-weiss behaart mit kerbig gesägtem Blattrand. Im endständigen, traubigen Blütenstand stehen viele Blüten zusammen. Die zwittrigen Blüten sind zygomorph. Die fünf purpurrot-violetten oder selten weissen Kronblätter sind zu einer 4 bis 6 cm langen, fingerhutähnlichen Krone verwachsen, die innen behaart und aussen kahl ist.
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DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Digitalis purpureae folium (syn. Folia Digitalis purpureae);
Digitalis-purpurea-Blätter (syn. Digitalisblätter, Fingerhutblätter), die getrockneten Blätter.
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WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Ceardenolidglykoside (bis ca. 0,6 %). Es wurden mehr als 30 Vertreter, vor allem Purpureaglykoside A und B, Digitoxin, Gitoxin, Gitaloxin und Verodoxin gefunden. Die entsprechenden Aglyka sind Digitoxigenin, Gitoxigenin und Gitaloxigenin.
Purpureaglykosid A
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PHARMAKOLOGIE

Siehe hierzu den Beitrag zu digitalis lanata.
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ANWENDUNG

Die Droge selber wird kaum noch angewendet wegen der Beeinflussung der Wirkung der Cardenolidglykoside durch Begleitsubstanzen und der geringen therapeutischen Breite (starke Giftwirkung der Cardenolide!). Ausserdem ist wegen der ungenügenden Reproduzierbarkeit bei der Herstellung der Zubereitungen die Anwendung heute weitgehend obsolet. Es kommen die entsprechenden Reinglykoside (Digitoxin und Gitoxin) zum Einsatz.
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Herzglykoside regen den geschwächten Herzmuskel an, sich wieder stärker zusammenzuziehen. Im therapeutischen Einsatz von Digitalis steht der die Herzfrequenz senkende Effekt von Digitalis immer mehr im Vordergrund gegenüber der Stärkung der Herzleistung.

Die aus Digitalis-purpurea-Blätter isolierten Cardenolide sind sehr stark wirksame Arzneimittel und dürfen phytotherapeutisch nicht verwendet werden. Aus diesem Grunde wurde Digitalis weder vom HMPC, noch von der ESCOP und der Kommission E bearbeitet.
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HOMÖOPATHIE

Digitalis purpurea - die frischen Blätter einjähriger Pflanzen.
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Anwendungsgebiete: Herzschwäche.
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ROTER FINGERHUT IM GARTEN

Roter FingerhutDer Rote Fingerhut liebt einen hellen und sonnigen Standort, gedeihen jedoch auch im Halbschatten noch gut. Der Fingerhut ist nicht besonders anspruchsvoll und bevorzugt lockere, mit Humus versetzte, eher saure Erde. Im Juli und August werden die Fingerhutsamen direkt ins Beet ausgesät und mit wenig Erde bedeckt. Jungpflanzen können in jeder Kräutergärtnerei gekauft werden. Der Rote Fingerhut wird sich durch Selbstaussaat der herabfallenden Samen selbst Vermehren. Die schöne Pflanze ist ein Blickfang für jeden Garten.
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SONSTIGES

Den Sagen, besonders den englischen und irischen nach, dient der Fingerhut dem Elfenvolk als Kopfbedeckung. Böse Feen sollen die Blüten einst als Handschuhe den Füchsen geschenkt haben, damit diese lautlos ihr Unwesen in den Hühnerställen treiben konnten. Die Zeichnung der Blüten soll daher von den Fingerabdrücken der unglückbringenden Feen herrühren.
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Letzte Änderung: 20.05.2016 / © W. Arnold
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Spacer Spacer Heilpflanzen Spacer Spacer Spacer Spacer
 
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Spacer Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen; Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2008.
Spacer M. Wichtl; Teedrogen und Phytopharmaka; Ein Handbuch für die Praxis auf wissenschaftlicher Grundlage; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 2002.
Spacer Lexikon der Arzeipflanzen und Drogen; Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg.
Spacer Wikipedia; Freie Enzyklopädie.
Spacer L. Roth, M. Daunderer, K. Kormann; Giftpflanzen - Pflanzengifte; Ecomed Verlagsgesellschaft, 1988.
Spacer M. Pahlow: Das grosse Buch der Heilpflanzen; Nikol Verlag, 2013.


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Spacer Wikipedia
Spacer Digitalis lanata (Wolliger Fingerhut)


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Digitalis purpurea - Roter Fingerhut
Digitalis purpurea - Roter Fingerhut
Digitalis purpurea - Roter Fingerhut


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  Ordnung
Familie
Gattung
Art
Lamiales
Scrophulariacea
Digitalis
Roter Fingerhut
  Wiss. Bez. Digitalis purpurea


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Spacer Alle Pflanzenteile sind hochgiftig. Bereits der Verzehr von zwei Blättern kann zu einer tödlichen Vergiftung führen.
Spacer Der Rote Fingerhut wurde 2007 zur Giftpflanze des Jahres gewählt.


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Spacer Der Gattungsname Digitalis leitet sich vom lateinischen Wort digitus für Finger ab und bezieht sich auf die charakteristische Blütenform.